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Azubis setzen Beurteilungsgespräche oft mit Kritikgesprächen gleich. Warum? Weil das Negative der letzten Wochen bei dir als Ausbilder länger hängen geblieben ist und du das jetzt endlich loswerden musst? So auf keinen Fall!!!

Damit du ein gutes Beurteilungsgespräch führen kannst, sind einige Vorbereitungen notwendig:

  • Zunächst solltest du deinen Azubi über einen längeren Zeitraum beobachten und deine Beobachtungen und Erkenntnisse SCHRIFTLICH dokumentieren – positive wie negative.
  • Nimm dir die Zeit, deine Eindrücke mit Beispielen zu beschreiben, damit du deinem Azubi später im Gespräch anhand dieser Aufzeichnungen erläutern kannst, was gut und was weniger gut gelaufen ist.

Ein Beurteilungsgespräch sollte niemals zwischen „Tür und Angel“ stattfinden, deshalb

  • Vereinbare einen festen Gesprächstermin mit deinem Azubi incl. Datum und Uhrzeit, ungefähr eine Woche vor dem geplanten Termin
  • Plane dir mindestens 30 Minuten für das Gespräch ein
  • Führe das Gespräch in einem ungestörten Besprechungsraum und nicht an deinem Schreibtisch. Warum? Weil dein Schreibtisch wie eine Mauer zwischen dir und deinem Azubi steht. 😉
  • Überlege dir, was du dem Azubi alles erläutern möchtest und welche konkreten Beispiele du für deine Einschätzung verwendest

Wichtig ist auch, dass du dich auf deinen Azubi einstellst

  • In welchem Ausbildungsjahr ist er? Vom 1. Ausbildungsjahr kannst du nicht das gleiche verlangen wie im 3. Ausbildungsjahr.
  • Welche Begründungen hast du für deine Bewertungen?
  • Was für ein Typ ist dein Azubi? – eher zurückhaltend und schüchtern oder das Gegenteil
  • Welche Probleme hat er aktuell und wie kannst du ihn unterstützen?
  • Wie reagiert er bei Gesprächen mit dir?

Wenn du Bedenken hast, dass dein Azubi das Ausbildungsziel aktuell aus den Augen verliert, überlege dir auch, wie du ihn fördern und motivieren kannst. Frage ihn, was er braucht.

Dass vor dem Gespräch der Beurteilungsbogen auch an den Azubi übergeben wird, damit er sich selbst einschätzen kann, habe ich im Blogbeitrag „Beurteilung von Azubis“ schon erläutert. Dadurch wird sein Selbstbild, also seine Eigenwahrnehmung geschärft.

Ablauf eines Beurteilungsgespräches

Wertschätzung und Freundlichkeit sind Grundvoraussetzungen für jedes Gespräch. Begrüße deinen Azubi und bedanke dich bei ihm, dass er zum Gespräch gekommen ist.

Dabei habe ich schon erlebt, dass sich Meister „fast einen Zacken aus der Krone brechen“, weil sie den Azubi begrüßen und ihm einen Platz anbieten sollen. Geschweige denn, dass sie zwei bis drei Sätzen Small Talk zum Aufwärmen mit ihm reden und ein Getränk anbieten, bevor sie zum eigentlichen Kern des Treffens kommen.

Bei meinem Feedback an den Meister nutze ich dann gerne die gleichen Worte wie er. Meist werden sie stutzig und oft kommt: „So hab‘ ich das doch nicht gemeint“. Aber leider sooo GESAGT!

JEDER hat ein Recht auf Wertschätzung, egal wie jung oder alt er ist. So viel Zeit muss sein!

Also bitte nicht gleich mit der Türe ins Haus fallen.

Erläutere noch mal den Gesprächsanlass

Wenn du zu Beginn noch einmal den Gesprächsanlass erläuterst und das Gesprächsziel nennst, so hast du einen guten Einstieg in dein Beurteilungsgespräch

Positives herausstellen

Fange immer mit den positiven Verhaltensweisen an und begründe, anhand von Beispielen, was dein Azubi gut gemacht hat und spare hier nicht mit Lob und Anerkennung. Ermutige ihn das Verhalten auch weiterhin zu zeigen. Das stärkt sein Selbstvertrauen und motiviert ihn.

Sachlich Kritik üben und Azubis Gelegenheit zur Reflektion geben

Schildere Deine Beobachtungen sachlich und ruhig und frage ihn wie er diese Beobachtungen sieht. „Mir ist aufgefallen, dass du ….., was glaubst du wie das bei mir/beim Kunden ankommt?“

Meinen Azubis geht in dem Moment meist „ein Licht auf“ und sie verstehen, warum ich in der Situation aus ihrer Sicht „seltsam reagiert habe“. (Kritik NIEMALS vor Kunden! – Immer nur unter vier Augen!) Frage dann, was sie beim nächste Mal anders machen wollen.

Zu einem offenen Beurteilungsgespräch gehört auch, dass ich mir anhöre, was sich die Azubis von mir wünschen. Wo haben sie das Gefühl, dass ich mich bezüglich ihrer Ausbildung mehr einbringen kann. Wo kann ich als Ausbilder noch etwas verbessern?

Fördermaßnahmen und Zielvereinbarung bis zum nächsten Gespräch

Azubis brauchen Ziele: Lege gemeinsam mit deinem Azubi fest, was er in den nächsten Wochen erreichen möchte und frage ihn, welche Unterstützung er dabei von dir benötigt. Das Ziel muss „Smart“, also spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminiert sein.

Abschluss des Gespräches

Am Ende des Beurteilungsgespräches solltest du die wichtigsten Punkte noch mal kurz zusammenfassen und die Zielvereinbarung schriftlich festhalten (Wer macht was, bis wann).

Motiviere deinen Azubi sich persönlich und fachlich weiter zu entwickeln. Gerade wenn du mehrere kritische Beurteilungspunkte hattest, ist ein wertschätzender Abschluss des Gespräches sehr wichtig. Der Azubi muss erkennen, dass du ihn akzeptierst wie er ist. Bedanke dich für das offene Gespräch bei ihm.

Auch Azubis sind schon kleine Persönlichkeiten, die als Gesprächspartner ernst genommen werden wollen:

  • Verspreche nichts, was du nicht halten kannst. Das kommt wie ein Bumerang zu dir zurück und du verspielst das Vertrauen, das sie in dich setzen.
  • Behandle das Gespräch vertraulich und rede nicht mit anderen Mitarbeitern darüber.
  • Wenn du deinem Azubi anbietest, dass er bei Problemen jederzeit zu dir kommen kann, dann halte das auch durch, wenn gerade 1000 Dinge gleichzeitig zu tun sind. Ein einmal abgewimmelter Azubi traut sich beim nächsten Mal nicht, alle Karten auf den Tisch zu legen.

Was kommt gar nicht gut?

  • Respektlosigkeit. Du erwartest von deinem Azubi, dass er pünktlich ist, dann sei auch du zu diesem Gespräch pünktlich!
  • Zeitdruck. Reserviere dir die Gesprächszeit in deinem Kalender und schau nicht ständig auf die Uhr!
  • Nicht zuhören. Sei mit deiner Aufmerksamkeit ganz bei dem, was dein Azubi dir erläutert und denke nicht schon an den nächsten Termin. Dein Azubi checkt das sofort!
  • Nicht ausreden lassen. Falle deinem Azubi nicht ins Wort, wenn er eine Situation schildert. Du hast im Anschluss Zeit, deine Sicht zu erläutern.
  • Besserwisserisch kommentieren. Indem du auf alles eine Antwort oder Lösung hast.
  • Keinen Blickkontakt. Sei im Gespräch bei deinem Azubi und nicht bei Papieren die auf dem Tisch liegen.
  • Monologe führen. Lass deinen Azubi zu Wort kommen, anstatt ihm deine Sicht der Dinge „um die Ohren zu hauen“.
  • Laut werden bei Kritik an deiner Person. So wie du das Verhalten deines Azubis kritisierst, hat auch er das Recht Anmerkungen an dich als Ausbilder zu richten.
  • Um den heißen Brei herumreden. Erläutere deine Beurteilungen anhand von konkreten Beispielen.

Mit welchen Problemen kämpfst Du in den Beurteilungsgesprächen? Schreib mir deine Erfahrungen zu dem Thema.

Viele Grüße

 

 

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