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Die Probezeit in der Ausbildung ist für den Handwerksbetrieb sehr wichtig und geht meist schneller vorbei als dem Chef lieb ist.

Gesetzlich vorgeschriebene Probezeit

In der Ausbildung ist laut Berufsbildungsgesetz die Probezeit vorgeschrieben und muss mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate betragen (§ 20 Berufsbildungsgesetz). In der Regel wird eine Dauer von vier Monaten im Ausbildungsvertrag vereinbart.

Während der Probezeit sollen der Azubi und der Ausbilder prüfen, ob sich der Azubi für den richtigen Beruf und den richtigen Ausbildungsbetrieb entschieden hat.

Ist die im Ausbildungsvertrag vereinbarte Probezeit vorbei, ist eine Kündigung des Azubis nur noch „aus wichtigem Grund“ möglich. Also bei massiven Verstößen gegen den Ausbildungsvertrag.

Wichtig ist, dass du dir als Handwerker überlegst, was du von einem Azubi erwartest und das auch entsprechend kommunizierst. Du musst dir während der Probezeit ein umfassendes Bild von der Eignung des Azubis machen:

  • Lernbereitschaft
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Eigeninitiative
  • Auffassungsgabe
  • Sozialverhalten (Auftreten)
  • Teamfähigkeit
  • Arbeitsorganisation und Arbeitsqualität
  • Kenntnisse und Fertigkeiten

Beobachte deinen Azubi, wie er mit seinen Kollegen und Kunden kommuniziert und ob er sich notwendige Informationen holt. Kollegen, die länger mit ihm arbeiten, wissen, ob er Interesse zeigt, wie er das Gelernte in die betriebliche Praxis umsetzt und wie er fachliche Anweisungen befolgt.

Aber Achtung! Bei Jugendlichen bitte nicht die gleichen Kriterien anlegen, wie bei Erwachsenen. Azubis sind durch die Schule geprägt und müssen sich erst an die Arbeitswelt und deren Regeln gewöhnen. Unterstütze deinen Azubi bei den Umstellungsschwierigkeiten und schmeiße nicht jedes Verhalten, das nicht „erwachsenengerecht“ ist, gleich in die Waagschale.

Halte auch Kontakt mit dem Berufschullehrer und nutze deren Sprechtage für Betriebe.

Du kannst auch mit dem Ausbildungsvertrag ein formloses Schreiben erstellen, dass der Betrieb Auskünfte in der Berufsschule einholen darf. Das muss dann ebenfalls von den Eltern unterschrieben werden, wenn der Azubi noch minderjährig ist. Dadurch umgehst du, dass sich die Berufsschule auf den Datenschutz bezieht und dir keine Auskunft geben will. 😉

Suche von Beginn an den Kontakt mit den Eltern, nicht erst bei Problemen.

Feedback und Probezeitgespräch

Vor Ende der Probezeit sollte mit dem Azubi ein offenes Feedback-Gespräch geführt werden. Einmalige „Ausrutscher“ sollten bei der Bewertung aber nicht ins Gewicht fallen.

Der Azubi soll nach dem Gespräch davon überzeugt sein, dass er entweder

  • durch seine gezeigten Leistungen für diesen Beruf geeignet oder nicht geeignet ist
  • mit seinem Verhalten in den Betrieb passt oder nicht passt
  • die weitere Ausbildung erfolgreich oder nicht erfolgreich verlaufen wird.

Wenigstens vier Wochen vor Ende der Probezeit solltest du dich mit deinem Azubi zu einem Feedbackgespräch zusammensetzten und über seine Stärken und Entwicklungspotenziale sprechen. Der Azubi muss wissen, wie er beim Chef und den Kollegen ankommt. Sonst kann er sich nicht weiter entwickeln und sein Verhalten ändern. Hinweis! Dieses Gespräch findet nicht zwischen „Tür und Angel“ statt, sondern in einem ruhigen ungestörten Büro!

Bewährt hat sich, den Lernfortschritt in einem sogenannten Ausbildungsbegleitbogen zu dokumentieren.

Vorteil: Es fällt dir am Ende der Ausbildung leichter, das vorgeschriebene Ausbildungszeugnis zu erstellen, da du über die halbjährlich oder jährlich erstellten Begleitbogen eine genau Dokumentation des Lernfortschrittes hast.

Keine Verlängerung der Probezeit möglich

Die Verlängerung der Probezeit ist nicht möglich – auch nicht mit Einverständnis des Azubis!

Wenn der Azubi während der Probezeit mehr als ein Drittel z. B. durch Krankheit gefehlt hat, kann dies zu einer Verlängerung um den entsprechenden Zeitraum führen. Dabei ist der Nachweis dieser Fehlzeiten wichtig. Aber Achtung: Dies gilt nicht für Unterbrechungen durch den Besuch der Berufsschule oder für externe Ausbildungsveranstaltungen, da diese zu den Ausbildungszeiten zählen.

Innerhalb der Probezeit können beide Parteien jederzeit schriftlich (§22 Abs. 3 BBiG) ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist (§22 Abs. 1 BBiG) und ohne Angabe von Gründen (§22 Abs. 3 BBiG) das Ausbildungsverhältnis kündigen.

Sollte es im Betrieb einen Betriebsrat geben, muss ein Anhörungsrecht gemäß § 102 BetrVG beachtet werden.

Keine Regel ohne Ausnahme: Schwangere Auszubildende sind grundsätzlich bereits in der Probezeit unkündbar. Lediglich bei gravierenden Verstößen – etwa Diebstahl – ist eine Kündigung möglich, wobei die Bezirksregierung aber zustimmen muss. Auch bei Schwerbehinderten und Mitgliedern der Jugend- und Auszubildendenvertretung gilt ein besonderer Kündigungsschutz.

Form der Kündigung:

  • Die Kündigung muss zwingend in schriftlicher Form erfolgen.
  • Volljährigen Auszubildenden kann sie im Betrieb übergeben werden, wobei man sich den Empfang durch Unterschrift bestätigen lassen sollte.
  • Bei Minderjährigen erhalten die Eltern das Kündigungsschreiben. Es muss spätestens am letzten Tag der Probezeit per Einwurf-Einschreiben bei den Eltern ankommen.

Muster:

Sehr geehrter Herr / Frau …. (Vertragspartner)

Hiermit kündige ich das Ausbildungsverhältnis mit ihrem Sohn / ihrer Tochter …. (Name) nach § 22 Absatz 1 Berufsbildungsgesetz in der Probezeit zum …. (Datum).

Mit freundlichen Grüßen

Was ist noch zu tun, wenn ich einem Azubi in der Probezeit gekündigt habe?

  • Abmeldung bei der Berufsschule
  • Abmeldung bei der Handwerkskammer
  • Abmeldung bei der Sozialversicherung

Wenn der Azubi während des Monats den Betrieb verlässt, hat er Anspruch auf seine anteilige Ausbildungsvergütung und seinen Urlaubsanspruch.

Die Probezeit ist also für beide – Betriebsinhaber und Azubi – die Zeit in der sich beide gegenseitig „auf Herz und Nieren“ prüfen können, und feststellen sollten, ob sie miteinander können oder nicht.

Wer die vertraglich vereinbarte Probezeit verstreichen lässt und erst danach feststellt, dass es mit der Chemie nicht passt, hat seine Chancen verspielt. Nach der Probezeit ist eine Kündigung sehr viel schwieriger bzw. ausgeschlossen.

Nimm dir also die Zeit deinen Azubi gut kennen zu lernen. Es zahlt sich aus.

Ich erlebe es immer wieder, dass Handwerker unzufrieden mit ihren Azubis sind, die Probezeit aber nicht nutzen um ehrliches Feedback und dadurch „Klartext“ zu reden. Der Ärger, den sie nach der Probezeit haben, steht in keinem Verhältnis zum Aufwand während der Probezeit.

Organisation der Einführungsphase und Probezeit

Zu Beginn der Ausbildung kommen die Azubis in einer für sie völlig neuen Lebenswelt an.

Die ersten Eindrücke der Jugendlichen beeinflussen deren Einstellung und Verhaltensweisen nachhaltig. „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“.

Ich erinnere mich noch gut an meinen Ausbildungsstart. Ich war froh, dass ich einen Ansprechpartner hatte und zwei weitere Auszubildende, die gleichzeitig mit mir gestartet sind.

Der Übergang von der organisierten Schulwelt in die Berufswelt sollte so angenehm wie möglich gestaltet werden und deren Bedürfnisse berücksichtigt werden.

Azubi-diamanten

Frage deinen Azubi, welche Erwartungen und Ängste er hat. Und erkläre ihm, dass die Probezeit zwei ganz wichtige Funktionen hat:

  • Der Betrieb kann die Eignung und Passung zum Unternehmen prüfen
  • Der Azubi kann seine Berufs- und Betriebswahl überprüfen

Stelle von Anfang an klar, dass während der Probezeit eine Beurteilung stattfindet. Zeige dem Azubi die Beurteilungskriterien und weise ihn darauf hin, dass ein Beurteilungsgespräch oder auch mehrere stattfinden und auch ein Gespräch mit den Eltern geführt werden soll.

Je früher dem Azubi klar ist welchen Zweck das Gespräch hat, desto eher verhindert es Befürchtungen, das Gespräch finde nur statt, weil man negativ beurteilt werde. So wie es ja meist in der Schule der Fall war.

Fehler bei der Einstellung vermeiden

Um Fehler bei der Einstellung von Auszubildenden zu vermeiden, sollten Ausbildungsbetriebe im Vorfeld Praktika anbieten. Entweder als Schulpraktikum oder als freiwilliges Praktikum in den Ferien. Auch ein vor der Ausbildung vorgeschaltetes Praktikum ist möglich. Das wird dann nicht auf die Probezeit angerechnet und gibt so die Möglichkeit einer beiderseitigen längeren Kennenlernphase.

Einführungsphase planen und gestalten

Damit die Probezeit für beide Seiten ein Erfolg wird, solltest du einige organisatorische Maßnahmen treffen:

  • Einführungsveranstaltung vorbereiten und planen (möglichst unter Einbeziehung der schon vorhandenen Azubis)
  • Eltern in den Betrieb einladen, Ablauf der Ausbildung erläutern und Betrieb bei einem Rundgang zeigen
  • Prüfen ob es möglich ist dem Azubi einen Paten zur Seite zu stellen
  • Alle Mitarbeiter im Betrieb rechtzeitig über den Neuzugang informieren
  • Rechtzeitig notwendige Werkzeuge für den Azubi besorgen
  • Informationsmappe vorbereiten (Rechte, Pflichten, Verhaltensregeln)

Die Gestaltung und der zeitliche Rahmen richten sich natürlich nach der Betriebsgröße und den jeweiligen Möglichkeiten.

Die ersten Tage in der Ausbildung sind für die Jugendlichen enorm anstrengend. Viele neue Eindrücke „prasseln“ auf sie ein. Sie sind es nicht gewohnt acht Stunden am Tag zu arbeiten. Und wenn ich mich an meinen Ausbildungsstart erinnere, dann bin ich nach dem Abendessen vollkommen platt ins Bett gefallen. Auch meinen jetzigen Azubis geht es so. 😊

Wie du die Einführungsphase positiv gestalten kannst:

  • Nicht mit zu vielen Personen und Informationen auf einmal konfrontieren (viele neue Gesichter und Namen merken)
  • Erlebnisorientierte Elemente einbauen (z. B. Leittextunterstützte Betriebserkundung, „Schnitzeljagd“
  • Freiräume für die Jugendlichen schaffen, damit sie die Informationen auch verarbeiten können und informelle Kontakte zu Kollegen möglich werden
  • Informationen zu Rechte, Pflichten und betriebliche Verhaltensregeln erläutern (Wie läuft das mit dem Sie oder Du? Wer darf geduzt werden? Welche Arbeitskleidung ist Vorschrift, Wie ist das mit dem Rauchen? Wann darf das Handy genutzt werden und wann nicht? Wie läuft es mit dem Urlaub? Gibt es Betriebsferien? Was ist zu tun, wenn der Azubi krank ist? Bei wem muss er sich melden? …)
  • Informationen zum Unternehmen und dem Ausbildungsablauf geben (Ausbildungsplan, Berufsschule, Berufsschultage…)
  • Notwendige Sicherheits-, Unfallverhütungs- und Umweltschutzvorschriften vermitteln und mittels Unterschriftenliste sauber dokumentieren
  • Arbeitsmittel ausgeben

Bereits in der Probezeit soll der Azubi viele berufstypische Tätigkeiten und Situationen kennen lernen, um diese mit seinen Erwartungen abgleichen zu können. Dabei soll der Azubi entsprechend dem jeweiligen Alter gefordert, aber nicht überfordert werden.

Monotone Routinearbeiten und Nebentätigkeiten müssen vermieden werden, da sie kein auch nur halbwegs sicheres Urteil über die berufliche Eignung abgeben.

Beobachte die Arbeitsweise und das Arbeitsverhalten des Azubis, aber mache daraus keine »Geheimsache«. Spreche mit dem Auszubildenden offen über die Notwendigkeit der Beurteilung und über die Beobachtungskriterien.

Als Ausbilder führst du in der Probezeit mehrere Gespräche mit dem Azubi und führst regelmäßige Beurteilungen durch, damit beide zum Ende der Probezeit objektiv beurteilen können, ob sie zusammenpassen.

Nur so kannst du dazu beitragen, die hohe Zahl abgebrochener Ausbildungsverhältnisse zu reduzieren und unnötige Kosten und Zeitverlust zu vermeiden.

Viel Erfolg mit „deiner“ Probezeit.