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Die Erfolgskontrolle spielt in der Ausbildung eine wichtige Rolle.

Azubis zu beurteilen ist nicht ganz einfach. Einerseits möchte ich als Ausbilder meinen Azubis keine Steine in den Weg legen, andererseits habe ich den Auftrag während der Ausbildung die Entwicklung des jungen Menschen hin zum „Erwachsensein“ zu fördern. Gleichzeitig muss auch noch das Ausbildungsziel – also der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung – erreicht werden.

Durch Erfolgskontrollen kann ich als Ausbilder feststellen wie die Lernkurve meines Azubis aussieht und wo noch Bedarf der „Nachjustierung“, also weitere Lernschleifen notwendig sind.

Wann führe ich Erfolgskontrollen durch und wie?

Nach jedem größeren Ausbildungsabschnitt sollte mit dem Azubi eine Erfolgskontrolle zumindest in Form eines Feedbackgespräches durchgeführt werden. Diese Gespräche sollen dabei nicht nur Lob, sondern auch konstruktive Kritik beinhalten und den Azubi motivieren und Anspornen weiter an seiner Lernkurve zu arbeiten.

 

Erfolgskontrolle

 

Welche Möglichkeiten der Erfolgskontrolle gibt es?

Als Ausbilder stehen mir mehrere Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Berufsschulnoten
  • Referate
  • Ausbildungsnachweise
  • Lehrgespräche
  • Tests
  • Arbeitsproben
  • Projektaufgaben
  • Zwischenprüfung

Durch das Erstellen von Referaten kann ich als Ausbilder erkennen, ob mein Azubi die Gesamtzusammenhänge und Arbeitsabläufe verstanden hat und auch richtig wiedergeben kann.

Wenn Azubis des zweiten oder dritten Ausbildungsjahres Referate vor den jüngeren Azubijahrgängen halten, dann lernen alle! Die älteren Azubis üben ihre Kommunikations- und Präsentationsfähigkeit, die sie spätestens bei den Prüfungen sowieso haben müssen. Und die jüngeren Azubis lassen sich von höheren Azubijahrgängen gerne Kenntnisse vermitteln, da diese auf Augenhöhe agieren.

In den Ausbildungsnachweisen muss systematisch die Ausbildung dokumentiert werden. Da der Nachweis auch Zulassungsvoraussetzung zur Abschlussprüfung ist, lasse ich mir als Ausbilderin regelmäßig die erstellten Ausbildungsnachweise vorlegen.

Mit einem Lehrgespräch kann ich die bereits vorhandenen Kenntnisse abklären und ein Mitdenken des Azubis sowie dessen Ausdrucksfähigkeit fördern.

Gute Erfahrungen habe ich auch mit schriftlichen Tests gemacht. Da sich der Zeitaufwand für selbst erstellte Tests nicht rechnet, nutze ich die Möglichkeit von speziellen Fachbüchern mit Prüfungsfragen.

Regelmäßige Arbeitsproben lassen gut erkennen, wo weitere Lernschleifen – also nochmaliges Wiederholen von bereits Gelerntem – notwendig ist. Der Azubi soll bei Arbeitsproben sein Wissen und seine Fertigkeiten einsetzen und im Nachgang wird gemeinsam besprochen und reflektiert, was gut lief und was ausbaufähig ist.

Die Zwischenprüfung ist eines der wichtigsten Kontrollsysteme in der Ausbildung. Diese ist entsprechend der jeweiligen Ausbildungsordnung durchzuführen. Sie dient der Ermittlung des Ausbildungsstandes und der vorhandenen Handlungskompetenz zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Handlungskompetenz

 

Die Handlungskompetenz beinhaltet also Verhalts- oder Beurteilungsmerkmale.

Fachkompetenz: Arbeitsweise, Arbeitsqualität, Fachwissen, Arbeitssicherheit, Umweltschutz

Methodenkompetenz: Arbeitsmethodik, Problemlösefähigkeit, Transferfähigkeit

Sozialkompetenz: Kommunikation, Kundenorientierung, Hilfsbereitschaft, Zusammenarbeit

Persönliche Kompetenz: Lernbereitschaft, Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Verantwortung, Selbstständigkeit.

 

Da die Zwischenprüfung auch Zulassungsvoraussetzung zur Abschlussprüfung ist ( § 43 BBiG), ist der Azubi verpflichtet daran teilzunehmen (§ 13 BBiG).

Über die Ergebnisse bekommt der Auszubildende eine Bescheinigung, die du dir als Ausbilder unbedingt vorlegen lassen solltest.

Im Metall- und Elektrohandwerk wird seit rund 15 Jahren die „gestreckte Gesellenprüfung“ durchgeführt. Das bedeutet, eine Zwischenprüfung entfällt, stattdessen wird ein erster Teil der Abschluss-/Gesellenprüfung durchgeführt. Je nach Ausbildungsberuf fliesen die Ergebnisse dieser Prüfung mit 20 – 40 {08a2e604bcad591c7ce89d647c29afbf33cb7f91b4fde9f824468b9dcd65dc94} in die Abschlussnote ein. Grundlage dafür ist § 44 BBiG.

In der Bescheinigung der Kammer mit den Prüfungsergebnissen stehen einerseits die durch den Azubi erreichten Ergebnisse, andererseits auch der Kammerdurchschnitt.

Beim Feedbackgespräch mit dem Azubi zu seinen Ergebnissen solltest du Folgendes beachten:

  • Ergebnisse unterhalb von 50 Punkten entsprechen nicht den Anforderungen.
  • Prüfungsgebiete mit 50 bis 67 Punkte sind stark verbesserungswürdig.

Frage dich bitte auch:

  • Zeigt die Zwischenprüfung genau das Bild, das ich von den durchgeführten schulischen und betrieblichen Lernerfolgskontrollen habe?
  • Wie können festgestellte Defizite in der verbliebenen Zeit der Ausbildung effektiv ausgeglichen werden?
  • Gibt es Ursachen, warum die in der Prüfung gezeigten Leistungen nicht akzeptabel sind?
  • Wo zeigt der Azubi schon gute oder akzeptable Leistungen?

Für das Gespräch mit dem Azubi nimm dir bitte genügend Zeit und diskutiere die Ergebnisse ausführlich. Entwickelt gemeinsam einen schriftlichen Maßnahmenplan, der in den nächsten Wochen abgearbeitet und immer wieder kontrolliert wird.

Wie du eine systematische Beurteilung deines Azubis durchführst, erkläre ich dir im nächsten Blog-Beitrag.